Posted by: Horst-Peter Traub | September 22, 2007

StartupWeekend Vibrations

Der erste Tag ist um. Erschöpfte Gesichter, gefüllte Bäuche, viele Eindrücke. Hier eine subjektive und emotional gefärbte Zusammenfassung.

Location 

Cem und Jasen gebührt großer Dank für die Organisation der Veranstaltung. Das Stilwerk als Location für das SW ist phantastisch ausgesucht. Stylisch, modern, kreativ mit viel Platz. Wir haben benachbarte Firmen aus ihrem Domizil verdrängt. Alsolutes Highlight ist die Firma Smart Technologies, die interaktive Präsentationsleinwände anbietet. Nach kurzer Einweisung wird darauf von uns engagiert gemalt und Skizzen werden hin und her geschoben. ein Exemplar wandert bei mir auf den Wunschzettel für die eigene Firma.

Dank der Sponsoren ist für unser leibliches Wohl bestens gesorgt. Als kleiner Engpass erweisen sich die Toiletten. Eine pro Geschlecht. Männer sind leider deutlich in der Überzahl.

Startup-Gemeinschaft

Nach dem Warmup am vergangenen Abend sind schon einige Namen und Gesichter vertraut. Die Gruppe kommt mir eh wie eine Großfamilie vor. Viele kennen sich offensichtlich von Barcamps, Bloggertreffen etc. Soziologen hätten sicher ihre wahre Freude. Gündungs- und Kommunikationssüchtige, eine eingeschwohrene Gemeinschaft von Non-Konformisten, Kreativen. Der Erstkontakt fühlt sich neu an, aber angenehm - die Mitstreiter sind sympatische, proaktive und positive Menschen, da ist man gerne ein Teil der Gemeinschaft. Irritierend ist, dass ich teilweise ge”Sie”zt werde. Bin ich zu alt oder merkt man mir an, dass ich hier neu bin?

Ablauf

Nach dem Frühstück wird der Pitch eröffnet. Große Spannung und Begeisterung über die Vielzahl der Ideen. Es geht ins Deathmatch: Onlinestiftung gegen PimPic, einem Portal für “Bildaufhübschungen”. Zunächst ist eine knappe Mehrheit emotional auf der Stiftungsseite, aber PimPic hat einen klarere Rahmen und scheint besser umsetzbar und gewinnt nach kurzer Diskussionsrunde.

Es folgt ein Brainstorming. Anhand der Pitch-Fragen von Jason Sammeln wir in einer Mindmap die zahlreichen Ideen. Man merkt schnell, das Thema hat 1000 Facetten, von der Zielgruppe über Produktideen und Absatzwege. Die Möglichkeiten begeistern. An dieser Stelle erwarte ich eigentlich laut Planung das Herauskristallisieren einer Kernidee und eines roten Fadens für eine gemeinsame Sich auf das was wir bauen wollen. Da regt sich der “Erbauer” und “Manager” in mir, sorry, kann ich nichts gegen machen. Till und ich hatten am Ende des Brainstormings einen Versuch unternommen, die Gruppe dazu zu bewegen, ein gemeinsames Bild zu erarbeiten. Das passiert jedoch nicht.

Ohne Commitment über eine konkrete Umsetzungsidee gehen wir in Gruppen und erörtern Teilaspekte - kontextfrei. Wenn wir eine StartupWeek und nicht nur ein Weekend hätten, wäre das OK, aber so werde ich unruhig. Um 15:15 Uhr trifft man sich wieder im Plenum. Eine gemeinsames Bild über unser “Produkt” und die Prozesse entsteht noch immer nicht - das scheint aber keiner so recht zu bemerken. Crowdwisdom heißt offensichtlich nicht, dass man eine gemeinsame Weisheit entwickelt. Eine koordinierte Umsetzung in einem Sprint ist so nicht möglich, denn dazu bräuchte man ein gemeinsames Ziel und klar geschnittene Features und Aufgaben.  Vorerst bestätigt sich die Befürchtung, dass wir es nun schwer haben werden, ein geschlossenes vorläufiges Konzept zu finden und dieses am Wochenende noch weitgehend umzusetzen, das wäre für mich das eigentliche Ziel gewesen.

Trotzdem war es soweit spannend und hat Spass gemacht - und einen Tag haben wir ja noch. Mal sehen, ob die Nightsession der Developer etwas hervorbringt, das später auch zum noch unbekannten Prozess und Produkt passt ;-)

How does it work?
Foto: How does it work? Gute Frage auch für das gemeinsame Vorgehen.

Antworten

[...] Horst-Peter Traub gibt eine subjektive und emotional gefärbte Zusammenfassung nach dem ersten Tag. [...]

Kurz gefasst würde ich auch sagen, dass die Masse zwar kreativ und klug ist, aber nicht mutig. Durch Crowdsourcing lassen sich Ideen generieren, doch komplexe und verbindliche Entscheidungen sind schwer herbeizuführen. Spannend nach wie vor, und der Ausgang ist ja noch sehr ungewiss.

Moin! Im Kommentar bei Robert Basic lese ich, dass das ursprünglich geplante Scrumming (Sprints + Standups) verworfen wurde: Warum denn das?

Freue mich schon auf Eure Retrospektive zum Event …

@Frank: In der Vorbereitung hatte ich ein scrumartiges Verfahren im Blog skizziert und es gab eigentlich Einigkeit, das so zu machen. Irgendwie muss in den 48 Stunden vor dem Event die Entscheidung gefallen sein, den Prozess eher sich selbst zu überlassen - ich habe mich dann lieber versucht im Hintergrund zu halten.
Der entscheidende Wendepunkt war jedoch im Mindmapping. Eigentlich sollten Fragen und Ideen zu unterschiedlichen Aufgabenbereichen und zu Features unseres Produktes und der Plattform gesammelt und dann im nächsten Schritt auf ein umsetzbares Konzentrat eingedampft werden. Als gemeinsame Idee von der Lösung an der wir arbeiten. Stattdessen wurden Gruppen zu den 10 Pitchfragen ohne gemeinsame Idee zum “Nachdenken” geschickt. Grundvoraussetzung für jedes Vorgehensmodell ist, dass es ein klar umrissenes Ziel gibt. Das ist dann aber nicht mehr gemeinsam festgelegt worden. Die Developer wissen nicht genau was sie bauen sollen. Die Marketingleute haben eigene Ideen für Produkte, welche die Finanzexperten schon über Bord geworfen haben. Ich spiele momentan offiziell den Bad Guy und stelle fiese Fragen. Bisher habe ich nicht eine klare Antwort - die soll ich dann als Good Guy in eine FAQ schreiben. Wird wohl nichts.

Fazit: Wir haben (in der Sprache von Scrum) kein Product-Backlog aufgebaut. Und wie jeder Projekterfahrene weiß: Ohne Anforderungen gehts nur sehr mühsam (ist für mich immer worst case). Scrum hätte uns helfen können, denn es hätte disziplinierend gewirkt und Konzentration auf ein Produkt erzwungen.

Nachtrag: Das hört sich jetzt schlimmer an als es ist. Es macht auf jeden Fall Spaß, auch wenn ich ein Projekt nicht so umsetzen würde. Wir werden einfach mehr Zeit brauchen, um etwas aus einem Guss draus zu machen. Vorteil gegenüber dne anderen SWs in Boulder und Toronto übrigen: Wir haben hier extrem buntes Volk, nicht nur Developer. Das heißt, wir können Marketing und Finanzen mit abdecken.

[...] StartupWeekend Vibrations [...]

Horst-Pter, es ist nun Punkt 3 Uhr morgens und ich flöhe noch einmal alles durch. Ich lese: “Irgendwie muss in den 48 Stunden vor dem Event die Entscheidung gefallen sein, den Prozess eher sich selbst zu überlassen.” Und es trifft mich. Du hast es nicht verstanden. Und ich nun einfach zu müde um zu argumentieren und zu erklären. Das enttäuscht mich. Sehr.

@Cem, ich habe große Hochachtung vor Deinem Engangement und der einmaligen Leistung, ein solches Wochenende zu organisieren. Wir haben einige der Dinge auch vorher gemeinsam bedacht und ich habe versucht, das SW im Vorfeld durch Ideen zum Vorgehen zu unterstützen. Das Jason und Du Euch für ein anderes Vorgehen entschieden habt, nehme ich nicht persönlich, das ist OK. Ich habe einfach nur meine Hilfe angeboten. Was ich allerdings wirklich nicht verstanden habe ist das “Warum?” und das haben sich auch andere gefragt. Das war schon ein blödes Gefühl am Abend vor dem SW zu hören “wir machen es anders - lass dich überraschen” - ohne Begründung, ohne Hinweis auf das “Wie, denn dann”. Eine kurze Erklärung, eine kurze Argumentation - und ich wäre auch einen anderen Weg mitgegangen, als Experiment, und Ihr hättet einen tatkräftigen Mitsteiter gehabt. Aber so wusste ich nicht einmal wofür? Ich hoffe, wenn Du drüber geschlafen hast, hat sich deine Enttäuschung etwas gelegt und Du nimmst es nicht persönlich - ich tue es auch nicht. OK?

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